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Silberrippchen

  Manchmal will und will es in der dunklen Jahreszeit morgens einfach nicht hell werden, es ist bitterkalt und die Nebel steigen vom Kanal auf. Das Mondlicht bringt einen glitzernden Silberglanz auf die gefrorenen Äcker und in die Stille knackt es ab und zu hinein, wenn ein abgestorbenes Ästchen von den Pappeln am Kanal fällt.

Da kannst Du schon langsam anfangen, Dich ne Runde zu Gruseln...........

Den Jungs ist das wurscht, sie lieben diese knackige trockene Kälte und sausen wie die Silberpfeile über die mondglänzenden Felder. Als ich schon unten am Kanal auf die Hunde warte, kommt das Pellchen freudig angeschossen und sein Jubeljodler klingt heute vom Sound her irgendwie leicht gefiltert.

Bald sehe ich auch, warum: quer im Maul hat er etwas Hellschimmerndes von länglicher Form mit seitlichen Auslegern... Pelle macht Sitz und präsentiert stolz seine Beute:

Eine prima abgenagte Wirbelsäule vom Fuchs oder einer Katze, komplett mit allen Rippen und Schwanz schimmert silbern im fahlen Morgenlicht.IIIIIIIIhhhhhhhhhh, wie eeeeeeeklig!!! Bloß weg mit dem Dings! Der Pelle hört ja heute Morgen wirklich gut: aus, Pelle – das ist pfuiii!!!

Pelle läßt sich das Ekeldings aus dem Maul nehmen, inzwischen ist auch Cousin Bosse äußerst interessiert dazugekommen und ich stehe nun da mit dieser tierischen Wirbelsäule in der behandschuhten Hand.

 Also, eine gute Weitwerferin war ich noch nie und ohne meinen Tennisschläger kriege ich keinen Ball 20 Meter weit geworfen,  wohin mit dem halben Skelett? IN DEN KANAL, na klar, da können die Jungs dann wirklich nicht mehr ran!

Über die hopsenden Hundenasen hinweg schleudere ich das Rippchen ins Wasser... aber... statt des erwarteten Platschen und Gluckern macht es sssssssssiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr und  das Gerippe gleitet  weiter über das Eis und ist überhaupt kein bißchen verschwunden.

Gleich danach höre ich es Keifen, Knurren und Kratzen! Lange vor mir haben die Jungs begriffen, daß der Kanal zugefroren ist, haben sich auf den Pfoten umgedreht und sind hinter dem vermeintlichen Stöckchen her auf das Eis gesprintet.

In ihrem Jagdeifer merken sie zum Glück nicht, daß ihnen heute auch die andere Seite des Kanals zugängig wäre und ich muß auch nicht weiter darüber nachdenken, wie ich denn wohl über das noch dünne Eis gelangt wäre, um meine Hunde wieder einzusammeln.

Ganz schnell bringen mir die Hunde das Gerippe zurück in der Erwartung, daß das schöne Eiskanalglitschspiel  weitergeht.

  Jetzt bin ich aber schlauer! Ich halte das Ekelteil so hoch wie möglich und leine die beiden aufgeregten Hunde ganz kurz an, werfe dann das Skelett gaaanz unauffälig in Richtung Kanal und staune in die andere Richtung blickend: Ohhhhhh, guckt doch mal,  was da hinten ist!

 Hahaha, ausgetrickst, die Buben vergessen sofort die olle Rippe und ziehen mich neugierig in Richtung des vermeintlich nächsten Abenteuers. Zuhause habe ich das starke Bedürfnis, meine Fingerhandschuh in die Wäsche zu geben.

Am nächsten Morgen war das Eis weggeschmolzen und das Silberrippchen liegt nun für ewig und alle Zeiten auf dem unendlichen Grund des Elbe-Lübeck-Kanals...

 

 

 






Kennen Sie Basenjis ???                                                          

Seit wir stolze Basenji-Hundeleute geworden sind, hat ein echt aufregendes Leben für uns begonnen.

Da wir aus gesundheitlichen Gründen nach langen Jahren des Zusammenlebens mit einer sehr unabhängigen Hauskatze keine weiteren Katzen mehr haben durften, fuhren wir voll auf die Erzählung von Freunden über den sogenannten „Allergiker-Hund“ ab, die uns die Möglichkeit eröffnete, doch wieder einen tierischen Hausgenossen mit Fellkleid haben zu können.  

 Wie schön für ehemalige Katzenleute zu hören, daß Basenjis nicht bellen, naß nicht stinken und kein bißchen hündisch unterwürfig sein sollen – so einer sollte es sein!

Und siehe da: wenn man wirklich etwas umsetzen will, kommt man auch da hin, wo man hin muß,  obwohl es 1993 für Menschen aus Norddeutschland noch gar nicht so einfach war, überhaupt einmal einen Basenji LIFE zu sehen.

 Unsere erste Begegnung mit diesen eleganten Hunden beeindruckte uns so sehr, daß wir uns schon recht bald unseren schwäbischen Bosse abholten – eine der bemerkenswertesten Autofahrten unseres Lebens! Schon auf der Rückfahrt lernten wir, daß ein Rastplatz nahezu unerschöpflich viele anregende Düfte bietet und tausende von vermeintlich eßbaren, auf dem Boden liegenden Gegenstände. 

Vom ersten Autobahnrastplatz an veränderten wir unsere Körperhaltung nachhaltig: was für dämliche Hundewerbespots- und filme es doch gibt! Die lustwandeln da so durch die Gegend – wir wechselten ab sofort zwischen dem prüfend warnenden Erdbodenblick und dem langhalsigen Horizont-Abcheck-Blick – immer bemüht, etwaige Überraschungen früher  als unsere cleveren Hunde zu sehen!
Die ersten 3 Jahre mit unserem Bosse boten uns bestimmt jede mögliche Freude, die man mit Hunden erleben kann, aber vermutlich auch fast jeden Schreck, verursacht durch wilde endlose Rehverfolgungsjagden bis hin zur „Fastzerlegung durch einen Neufundländer“ und die damit verbundenen Ängste.

Dieses Basenji-Feeling konnten wir noch steigern durch die Aufstockung unseres Rudels durch den kleinen Pelle, der ‚umständehalber’ mitten in unsere Umbau- und Umzugswirren hineinplatzte und ohne großen Aufwand  Bosses Superkumpel wurde.

Die beiden haben sich gesucht und gefunden und lieben sich prinzipiel vetterlich, am Anfang ließ sich der Bosse sogar seine geliebten Stinkestangen von Pelle klauen – wir fanden das blöd – aber mittlerweile haben die Beiden ihre Rituale abgeklopft und sind sich meistens einig. 

Im Hause - anfangs im Rahmen diverser Flitzanfälle - entweder wild über sämtliche Sessel und Einrichtungsgegenstände tobend, kuscheln und rekeln sich die Jungs heutzutage nach ausgedehnten Spazier(läufen) gängen (unsere Hunde gehen nie, sie sind immer auf Trab) genießerisch auf ihren Schlafplätzen, putzen sich gegenseitig oder träumen Schulter an Schulter oder Po an Po von ihren Erlebnissen auf den umliegenden Äckern.

Und da passiert ’ne Menge:
Bosse und Pelle interessieren sich nämlich grundsätzlich für alles, was sich bewegt: Rehe, Hasen, Füchse, Jogger, Autos, Radfahrer, Trecker etc., finden alles, was gut stinkt und machen größenwahnsinnig jeden Rüden an – egal wie groß! Die einzige natürliche Grenze ist der Kanal, aber nur im Sommer! Wenn der im Winter gefroren ist, trauen sich die Buben auch schon mal aufs Eis. Pelle ist auch schon einmal hineingefallen...
Nasse, kratzige Maisfelder können sie auch nicht leiden, obwohl da im Sommer ja die interessanten Gerüche von Wildtieren locken. Dafür mögen sie sich bei sonnigem Wetter gern auf ihren Gartenaussichtsplätzen rumfläzen und genauestens beobachten, wer sich aufregenderweise so frech ihrem Grundstück nähert.
Im Winter ist alles abgeerntet und nach Auffassung der Jungs freigegeben für die Basenji-Hatz! Freie Sicht bis zum Nordkap.... und wir finden unsere Hunde stundenlang nicht wieder, wenn wir sie lassen! Sie sind sich selbst genug und total resistent gegen jeden Lockruf – nur das wegfahrende Auto kann sie noch anlocken.
Wir sind uns sicher, daß die beiden immer genau wissen, wo wir sind – nur wir haben keinen Schimmer und letztlich auch keinen Nerv auf stundenlange Suchaktionen!
Wenn sie doch mal den Überblick verlieren sollten, absorbieren sie diesen, besonders bei Nebel, fürchterlich unheimlich klingenden Orientierungsruf aus dem Off und tauchen dann umgehend wieder beim Rudel auf. 

Jedenfalls sind wir mit unseren anstrengenden Hunden sehr froh und möchten sie nicht missen !

                       

Lautlos schwebt ein Blatt vom Baum, ganz allein, viel zu früh. Ein Windhauch entführt es meinem Blick.
Es wird irgendwann ein neues Blatt geben, doch kann es nie wieder so sein wie du.

Annegret Kronenberg         

Bosse Decemba ti-n Abou Teka
*3. Januar 1994 +24. Mai 2007

Bosse war unser erster Basenji, der uns über mehr als 13 Jahre im besten Sinne „auf Trab hielt“. Mit seinem unbeugsamen Willen, sehr speziellen Vorstellungen und immer neuen verrückten Ideen machte er unser Leben zu seinem Abenteuerspielplatz und erfand uns jeden Tag spannend und neu.

Die Blessuren dieses wilden Lebens steckte er immer locker weg und lebte 10 Jahre innig pfotenhaltend und stereo unternehmenslustig mit seinem Kumpel Pelle. Auch als Senior konnte er dem quirligen kleinen Lasse noch die Feinheiten des Basenji-Lebens nahe bringen.

Von seinem ersten wirklichen gesundheitlichen Tief erholte er sich nicht mehr richtig, doch am vorgesehen Abschiedstag lief und posierte er wie ein Basenji-Model quasi um sein Leben. Bosse schenkte uns noch 20 tolle gemeinsame Oldie-Tage und nahm gerade in seiner selbstgewählten Verlängerung alles Lebenswerte seines Basenji-Daseins wahr bis auch seine unendliche Willenskraft versiegte.

Bosse hat ein schattiges Grab unter der kleinen Birke in unserem Garten,

ganz nah bei uns wie immer......für immer. Es ist ok, ....es tut gleichmäßig weh :

Dany, Manfred und die Restjungs Pelle & Lasse

 

 

 

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Dany Beiswanger Seestraße 205 21514 Güster 04158 8162  | Dany.Beiswanger@t-online.de