Daniela Kinzel-Beiswanger                         die wilden Jungs vom Güster Acker      

            

 

 

 

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Der Zauber der Knusperpille

In den ersten heißen Sommermonaten mit unserem noch kleinen Bosse ließen wir uns an manchen Nachmittagen, wenn es auf unserem Hundespaziergang in den Oher Tannen zu bruttig wurde, gern auf der Menschenpicknick- und Junghunde-tobewiese  auf einer Lichtung inmitten dieses Waldstückes nieder.

Je glühender der Sommer wurde, desto ausgefeilter sah unser Hundegangs-Equiment aus: bepackt mit Liegedecken oder Strohmatten und ausgerüstet mit Eistüten, Zigaretten und Hundewassersaufflaschen suchten wir uns ein schat-tiges Plätzchen, streckten die dampfenden Füße aus und guckten den endlos und ausdauernd spielenden Hunden zu. Das kleine Waldtümpelchen, das sonst zum Stöckchenwerfen , Pfotenkühlen und Modderwassersaufen als Hundespielplatz so klasse war, war schon längst ausgetrocknet.

Ab und zu gab’s dann für die Jungs (Bosse und sein „großer“ Freund Tomaso) zwischendurch in den Verschnaufpausen was zu Naschen und zu Saufen, beson-ders angeturnt waren sie seinerzeit von den herrlich stinkigen Pansenstangen. Bosse verschlang seine Stinkestange immer sofort und hatte dann das Gebiß frei für die Pansenstange, die wie eine dicke Zigarre aus Tomasos Maulwinkel lugte. Dem sehr geduldigen und kulanten Tomaso die Stinkestange aus dem Maul zu zupfen, gehörte zu Bosses Lieblingsspielen und galt auch gleichzeitig immer als freche Aufforderung zur nächsten Jagdrunde.

Diese gemopste Stinkestange ließ der Bosse während seiner wahnwitzigen Herumrennerei auf der ausgetrockneten, ehemaligen Grasfläche provokant aus seinem Hundemäulchen hängen und wir feuerten die Hunde bei ihrer dynamischen Hatz wortgewaltig an: „ Hey,Tomaso, lauf‘ schnapp‘ ihn Dir!“  Nee, keine Chance, Bosse rennt fullspeed mit ausgerolltem Ringelschwanz mittenrein in den Heide-teppich, schlägt Haken, verkugelt sich in der Kurve, der pfiffige Tomaso erwischt ihn beim Wegabschneiden und legt sich den Bosse auf den Rücken.

Aalgewandt schlängelt sich der Bosse unter Tomaso heraus und das Gebalge in der Erikafläche geht weiter, wobei wir kaum noch ausmachen können, wo welcher Hund anfängt oder endet. Zwischendrin ein hoher Quietschlaut – kann schon Mal passieren, daß Bosses’s nadelspitze Welpenzähne den zarten Tomasohals zu heftig anbohren...

Nee, das war jetzt aber merkwürdig............ Tomaso läuft leicht irritiert und besorgt zu uns herüber, während Bosse dort hinten im Heidekraut liegen bleibt:   Nanu, was ist denn mit dem kleinen Bösselchen? Da stimmt doch was nicht! Hektik, Panik, Terror - wildes Gewusel und Gerenne hin zum ganz platt und bewegungslos daliegenden Bosse... 

Zwei Neu-Hundefrauchen hantieren unsortiert chaotisch, raufen sich sinnlos die Haare, zetern und reden hysterisch herum, trauen sich nicht, den leblos wirkenden, mit allen Beinchen von sich gestreckt seitlich liegenden kleinen Hund anzufassen. Der tut keinen Piep mehr, nur die eine Pfote ist so komisch dick, zuckt ein bißchen und scheint sekündlich immer mehr anzuschwellen.

Oh, nee, ist denn der arme Hund jetzt vielleicht bei der Hitze zu doll rumgerast, ist kollabiert und hat nen Hitzschlag bekommen? Oder hat ihn ein supergefährliches Stechviech gelocht und er liegt im mindestens im Koma  oder hat er nen allergischen Schock? Bosse, mein Bosse, was ist denn! Tränen steigen mir in die Augen und ich höre gerade noch so halbverschwommen aus dem Hintergrund die ruhige und bedächtige Stimme des einzigen noch klartickenden und vor allem erfahrenen Alt-Hundefrauchens:

Mooooment Mal!  Hat denn mal eine von Euch sonne Bestechungspille dabei ?

Klar, haben wir alle, mindestens 4 Hände kramen aus den Taschen die inzwischen bröseligen Belohnungsknusperpillen für ‚gutes Hören auf Frauchen und gute Taten in den Oher Tannen’ (davon haben wir immer reichliche Vorräte, da die Hunde das mit der Bestechung/Belohnung bei unseren hundepädagogischen Aktionen irgendwie nicht so ganz ernst nehmen) hervor...... und was macht die denn nun?

Hält dem ‚ohnmächtigen’ Hundepatienten eine der Knusperpillen unter die Nase und vor’s Mäulchen: die Nase vibiriert, Bosse schlägt wie vom Zauber gerüttelt die Äuglein auf und verspeist schmatzend und ohne längeres Zieren diese wunderbare Gabe aus der Wirklichkeit der Oher Tannen.

Oh, so ein Stinker! Hält uns hier zum Narren, versetzt uns in Angst und Schrecken und macht in Wirklichkeit nur ne kleine Ruhepause im Schatten!!!

Wir bedanken uns bei der Zauberfrau, die uns das echte Hundeleben vorgeführt hat und beschliessen, den dickpfotigen Bosse nun doch ersteinmal nach Hause zu bringen. Der kann oder will aber wirklich keine Pfote mehr vor die andere setzen und so tragen wir den kaum widerstrebenden Bosse aus dem Wald zum Auto. Netterweise werde ich ersteinmal mit dem Hund auf dem Schoß nach hause gefahren und kann mein eigenes Auto später abholen, wenn der Hund dann versorgt ist. Mann, das ist ja ein Bolzen von Stich, da muß was zum Kühlen drauf! Gesagt, getan, zur Strafe für dieses Schreckensszenario muß der Bosse sich mit Essigwasserumschlägen einnebeln und verbinden lassen...... Der niest jedoch nur mit leichtem Protest und läßt sich einigermaßen willig mit den nassen Geschirrtüchern die gestochene Pfote behandeln.

Schließlich ist der Bosse ja jetzt ein insektensticherfahrener Junghund, der durch den Zauber einer einzigen Knusperpille quasi spontangeheilt wurde und Morgen sooooo gern wieder mit 4 gesunden Beinchen mit seinen Kumpels in der Sonne herumsausen will.

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